Winterkatalog 2017/2018

Texte in Einfacher Sprache sind für Menschen, die nicht so gut lesen können. Das sind zum Beispiel funktionale Analphabeten, Menschen mit geringer Bildung oder ohne Schulabschluss. Aber auch Menschen mit einer anderen Muttersprache als Deutsch haben oft Probleme mit dem Lesen. Texte in Einfacher Sprache sind für fast alle Menschen gut verständlich. Sie vermeiden Fremdworte. Die Sätze sind kurz. Einfache Sprache hat Leseniveau A2/B1. Für 60 Prozent der Bevölkerung sind schwierigere Texte unverständlich. Doch 95 Prozent der Bevölkerung können Einfache Sprache lesen!

31.08.2015

Interview mit Marion Döbert zu ihrem Buch "Rosa Meer"

Interview mit Marion Döbert zu ihrem Buch "Rosa Meer"

Wie schreibt man ein Buch in Einfacher Sprache?

Eigentlich genau so wie jedes andere Buch auch. Ich entscheide zunächst, was für ein Buch ich schreiben werde. Einen Krimi, einen Liebesroman, ein Sachbuch, ein Märchen oder eine andere Textsorte. Dann lege ich die Geschichte in einem kurzen Gesamtüberblick fest. Worum geht es vom Anfang bis zum Ende? Aber Details werden natürlich noch nicht ausgeschmückt. Dann geht es los mit dem Schreiben, und jetzt beginnt der Unterschied zu Büchern, die nicht in Einfacher Sprache geschrieben werden. Jeder Satz wird von mir auf die Goldwaage gelegt, damit auch Lese-Ungewohnte mit dem Text zurechtkommen und ihn genießen können. Ist die Botschaft deutlich? Ist die Sprache klar? Sind die Sätze übersichtlich? Wo kann ich ein Fremdwort durch ein bekannteres Wort ersetzen? Und trotzdem muss der Text natürlich dramatisch sein, traurig, witzig, spannend oder einfach nur schön. Der Leser muss genau so in der Geschichte versinken können wie bei einem gewöhnlichen Buch. Er muss mitgerissen werden, einen inneren Film sehen, die  Dinge riechen und schmecken können, die beschrieben werden. Ein Pantomime mit seinen einfachen Mitteln kann genau so begeistern wie eine ganze Theater-Gruppe mit Bühnenbild, Beleuchtung und Kostümen. Das versuche ich mit Büchern in Einfacher Sprache zu erreichen. 

 

Was ist Ihre persönliche Motivation?

Ich arbeite seit 1983 im Bereich der Alphabetisierung für deutschsprachige Erwachsene. Ich kenne die drängenden Nöte der Menschen, die nicht lesen und schreiben können. Kaum jemand von ihnen hat jemals ein Buch zuhause gehabt. Kaum jemand hat jemals ein Buch gelesen. Bücher sind aber Türöffner zum (Anders-)Denken, zum Phantasieren, zur Welt. Wer das alles nicht hat, ist isoliert und eingeschränkt in seinem kleinen Alltag. Mit den Büchern vom Spaß am Lesen Verlag haben viele Leserinnen und Leser die Angst vor Büchern überwinden können. Sie sind zu begeisterten Lesern geworden und sie sind stolz auf ihre ersten eigenen Bücher. Es macht mich einfach total glücklich, wenn Menschen nicht mehr Angst vor dem Lesen haben, sondern Lust am Lesen bekommen. Und wenn ich einen Beitrag dazu leisten kann, umso besser.

 

Wie kamen Sie auf die Idee von Rosa?

Jeder Mensch ist umgeben von anderen Menschen und daber auch umgeben von vielen Geschichten. Ich kenne Rosa tatsächlich. Sie heißt nur anders. Im Laufe unserer Bekanntschaft haben wir uns aus den Augen verloren. Ich weiß nicht, was aus ihr geworden ist. Aber das Schicksal dieser Frau hat mich so sehr berührt und beeindruckt, dass ich darüber den Roman geschrieben habe. Ich habe ihre Geschichte weitergesponnen, neu erfunden und zu einem guten Ende gebracht. Ein guter Ausgang war mir wichtig, denn das ist es, was ich der echten Rosa wünsche. 

 

Wie gefällt Ihnen das Buch? Sind Sie selbst zufrieden?

Oh ja, ich finde es so schön, dass ich es immer wieder ansehe und auch immer wieder lese. Dadurch will ich auch testen, ob die Story funktioniert. Ist man nur einmal berührt oder immer wieder? Ist man nur einmal schockiert oder spürt man die Schreckenssekunde jedesmal erneut? Natürlich würde ich manche Stellen jetzt vielleicht noch anders schreiben. Aber es ist auch gut, wenn ein Buch abgeschlossen ist. Geschichten kann man ja unendlich ausspinnen. Aber es soll ja schließlich ein Buch dabei herauskommen. Wunderschön finde ich an dem Buch auch das Cover. Das war eine Superidee von Jurian Wiese, dem Designer des Spaß am Lesen Verlags. 

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