Sprache verbindet

Sprache verbrüdert

Man spricht von einer der größten Herausforderungen der Nachkriegsgeschichte: Die Rede ist von dem enormen Flüchtlingssstrom, der momentan in Europa ankommt. Wie können wir all diesen Menschen dauerhaft ein Dach über dem Kopf bieten? Und wie integrieren wir sie in unsere Gesellschaft - und zwar so, dass den Normen und Werten beider Seiten, denen der Neuankömmlinge und denen der bestehenden Bevölkerung, keine Gewalt angetan wird?

Keine leichte Aufgabe: Von allen Beteiligten wird sowohl prinzipielle Standhaftigkeit als auch Flexibilität und Kreativität erwartet: Zwei Seiten, die nicht leicht miteinander zu vereinbaren sind.

Zur Zeit befindet sich nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa in der ersten Phase: Es geht zunächst darum, den Flüchtlingen ein Unterdach zu bieten und zu sehen, wer tatsächlich Bleiberecht hat. Die Basisversorgung dieser gigantischen Gruppe an Menschen muss gewähleistet sein. Das ist eine Aufgabe, die zur Zeit alle Koordinationskraft aufzusaugen scheint, wodurch die Integration der Menschen in die Gesellschaft zunächst in den Hintergrund rückt: Erst einmal jedem seinen Platz zuweisen und dann sehen wir weiter. 

Diese Vorgehensweise ist nachvollziehbar. Und doch geben die Übergriffe in Köln und Hamburg an, dass mit der Einbürgerung der Flüchtlinge nicht früh genug angefangen werden kann. Das Leben in einem neuen Land bedeutet nämlich sehr viel mehr als das Empfangen von "Brot, Bett und Bad."  Die Einweisung in die kulturellen und gesellschaftlichen Normen der neuen Umgebung, wie beispielsweise die Position der Frauen, ist mindestens ebenso wichtig. Beide Prozesse sollten gleichzeitig angegangen werden. 

Es klingt wie das Eintreten offener Türen, doch eine sinnvolle Einbürgerung beginnt mit dem Erlernen der Sprache. Ohne Sprachkenntnisse läuft jede Eingliederung ins Leere. Der Ruf einiger Politiker und Wissenschaftler, um in den Erstaufnahmezentren möglichst schnell und systematisch Deutschkurse anzubieten, wird von mir nachdrücklich unterstützt.

Denn: Sprache verbindet. Obwohl der Umfang der momentanten Flüchtlingswelle so in der Geschichte noch nicht vorgekommen ist, ist Immigration beileibe kein unbekanntes Phänomen in Europa. In den sechziger und siebziger Jahren kamen große Gruppen Südeuropäer als Arbeitsimmigranten nach Deutschland. Auch Länder wie die USA, Australien und Kanada haben viel Erfahrung mit Immigranten. Die Erfahrung dieser Länder weist immer wieder in eine Richtung: Das Erlernen der gemeinsamen Sprache hat eine Brückenfunktion, die nicht zu unterschätzen ist.

Wir hoffen deshalb, dass der Lese- und Sprachunterricht in den Erstaufnahmezentren schnell aufgegriffen wird. Wir wollen gerne unseren Beitrag leisten: Unter anderem durch die Herausgabe spezieller Bücher und Lernmittel, die auf das sehr niedrige Leseniveau der Neuankömmlinge ausgerichtet sind. Sie werden darüber in Kürze mehr erfahren.  

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