Winterkatalog 2017/2018

Texte in Einfacher Sprache sind für Menschen, die nicht so gut lesen können. Das sind zum Beispiel funktionale Analphabeten, Menschen mit geringer Bildung oder ohne Schulabschluss. Aber auch Menschen mit einer anderen Muttersprache als Deutsch haben oft Probleme mit dem Lesen. Texte in Einfacher Sprache sind für fast alle Menschen gut verständlich. Sie vermeiden Fremdworte. Die Sätze sind kurz. Einfache Sprache hat Leseniveau A2/B1. Für 60 Prozent der Bevölkerung sind schwierigere Texte unverständlich. Doch 95 Prozent der Bevölkerung können Einfache Sprache lesen!

Verdrehte Welt?

Umgekehrte Welt

Der Spaß am Lesen Verlag besteht inzwischen seit sieben Jahren. Sieben Jahre, in denen sich vieles verändert hat: Unser Verlag arbeitet professioneller als in den Anfangszeiten. Unser Bücher- und Zeitungsangebot hat sich stetig vergrößert. Und wir arbeiten mittlerweile mit vielen Organisationen und Partnern im Bereich Einfache Sprache zusammen.

Die wichtigstes Veränderung ist jedoch: Heute zweifelt niemand mehr am Nutzen und an der Notwendigkeit von Büchern und Zeitungen in Einfacher Sprache.

Das war am Anfang ganz anders: Viele Kritiker fragten offen, worin der Mehrwert von Büchern in Einfacher Sprache besteht. Das ist doch eine "verdrehte Welt" hörten wir oft: Funktionale Analphabeten und schwache Leser sollten die Latte lieber gleich höher hängen. Sie sollten den Anspruch haben, "richtige" Literatur lesen zu lernen. Man fürchtete Leser "zweiter Klasse". Der Anspruch damals lautete: Schwache Leser sollten an echte Literatur und an echte Zeitungen herangeführt werden.

Dass dieser Anspruch nicht funktioniert, haben auch die meisten Kritiker inzwischen akzeptiert. Für Menschen mit Lese- und Schreibproblemen sind herkömmliche Bücher und Zeitschriften schlichtweg nicht zu bewältigen: Dies als schwacher Leser immer wieder erfahren zu müssen ist frustrierend und demotivierend.

Ein Rollstuhlfahrer wird auch keine Treppen laufen können, so sehr er es auch probiert. Vielen schwachen Lesern geht es genauso: Ihr Leseniveau wird niemals ausreichen, um ein herkömmliches Buch zu lesen. Doch das Ziel des Rollstuhlfahrers ist es auch nicht, die Treppe hochzulaufen. Sein Ziel ist es, oben anzukommen. Das funktioniert prima mit einer Anpassung wie dem Treppenlift. Das gleiche gilt auch für Menschen mit einer Leseschwäche: Ihr Ziel ist es nicht, Shakespeare im Original zu lesen. Sie wollen einfach in den Genuss des Lesens und somit auch an Informationen kommen. Und mit Anpassungen wie Leichter und Einfacher Sprache funktioniert auch das prima: Romeo und Julia steht nun auch ihnen offen. 

Wir sind froh darüber, dass dieser Gedanke allmählich von der Gesellschaft akzeptiert wird. Und die sprachliche Gleichberechtigung auch gesetzlich vorangetrieben wird: Ab 2018 müssen alle Behören des Bundes barrierefrei sein. Da bedeutet auch: Staatliche Einrichtungen müssen ihre Schreiben in Leichter oder Einfacher Sprache anbieten. Ein wichtiger erster Schritt. Wir sind gespannt auf die konrketen Ausführungen. Und auch darauf, inwieweit das Recht des Lesers auf Bücher in Einfacher Sprache in einem nächsten Schritt ebenfalls berücksichtig wird. 

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