Barrierefreiheit für den Kopf

Barrierefreiheit für den Kopf

2014 bestand die Aktion Mensch 50 Jahre. Um das zu feiern, organisierte der Verein Ende vergangenen Jahres in Berlin einen sehr gelungenen Kongress mit dem Titel "Inklusion 2025". Ziel des Kongresses war es, mit vielen verschiedenen Teilnehmern über die Zukunft der Inklusion in Deutschland zu diskutierren und zu brainstormen. Eine gute Initiative, die neben vielen gemeinsamen Visionen und Ideen auch starke Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Behindertengemeinschaft offenbarte: Zum Beispiel über die Rolle und die Position behinderter Menschen innerhalb der Gesellschaft. Dadurch entstanden klärende Diskussionen, bei denen es ab und zu auch hoch her ging. Debatten, die nicht immer in einem harmonischen Konsens endeten, sondern manchmal in unversöhnlichen Argumenten steckenblieben. 

Das ist gut so, denn genau dafür dient meiner Meinung nach ein solcher Kongress. Er zeigt, dass die Behindertengemeinschaft in Deutschland keine brave, gutgläubige Herde ist, die einer Leitperson hinterher läuft. Sie besteht vielmehr aus einer dynamischen Gruppe Menschen mit unterschiedlichen Standpunkten - und diese Menschen scheuen nicht davor zurück, ihre Meinung öffentlich zu äußern. Deshalb war der Kongress ein solcher Erfolg: Wo kann man Ideen und Visionen besser begutachten, abwägen und vielleicht auch bestreiten als innerhalb der eigenen Gemeinschaft?

Ich war als Teilnehmer zum Kongress der Aktion Mensch geladen und trat als Gastredner bei einem der Workshop auf. Thema: "Über die Zugänglichkeit von Informationsmaterial innerhalb der Inklusions-Bewegung. Meine These: Die Gesellschaft, in der wir leben, muss von zwei Seiten uneingeschränkten Zugang für Behinderte bieten. Einerseits dürfen in Zukunft keinerlei physische Barrieren mehr bestehen. Behinderte sollen ungehindert öffentliche Verkehrsmittel benutzen können. Jedes öffentliche Gebäude muss ihren Bedürfnissen gerecht werden. 

Andererseits sollen behinderte Menschen auch uneingeschränkten Zugang zu unserer heutigen Informationsgesellschaft bekommen: Jede Art von Information muss so aufbereitet und vereinfacht werden, dass auch geistig behinderte Menschen sie verstehen können. Der Zugang zu Informationen muss einer der wichtigsten Pfeiler innerhalb der Inklusions-Debatte werden!, so erklärte ich den Teilnehmern des Workshops.

Behindertenorganisationen sollten in Zukunft für ihre Leute noch stärker das Recht erkämpfen, über alles in der Gesellschaft informiert zu sein. Keine Emanzipation ohne Information! Und das wollen wir am liebsten schon vor 2025 erreichen. 

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