Frühjahrskatalog 2017

Leichte Sprache ist ein Begriff aus der Behinderten-Selbsthilfe. Texte in Leichter Sprache werden für Menschen geschrieben, die fast gar nicht lesen können. Dazu gehören zum Beispiel Analphabeten und Menschen mit einer geistigen Behinderung. Leichte Sprache erkennt man an sehr einfachen Worten und ganz kurzen Sätzen. Texte in Leichter Sprache haben Leseniveau A1.

Die Bedeutung von Lesen in der Freizeit

Die Bedeutung von Lesen in der Freizeit

Deutschland ist bereit, funktionalen Analphabetismus gezielt zu bekämpfen. Die Nationale Dekade zur Alphabetisierung und Grundbildung wirft endlich Früchte ab. Für die kommenden Jahre stehen hierfür 20 Millionen Euro zur Verfügung.

Dennoch fällt bei allen neuen Initiativen eine Sache auf: Fiktive Literatur als Mittel, um besser lesen zu lernen, wird bei fast jedem Ansatz vernachlässigt. Das ist merkwürdig: Bücherlesen bringt Menschen mit einer Leseschwäche nachweislich voran - sowohl ihre Lesefähigkeit als auch ihre Sprachkompetenz verbessern sich durch das Lesen enorm.

Ich liefere gerne die Fakten zu meiner These: Die Universität Leiden hat eine in den Niederlanden bahnbrechende Studie veröffentlicht. Darin untersuchen die beiden Wissenschaftler Mol und Bus die Bedeutung des Lesens bei Jugendlichen. Die Ergebnisse liefern auch wertvolle Hinweise in Bezug auf leseschwache Erwachsene.

Die Resultate: Jugendliche, die kontinuierlich in ihrer Freizeit zum Buch greifen, schneiden im Durchschnitt bei Lese- und Sprachtests besser ab. Das Lesen von Büchern wirkt sich selbst positiver auf Wortschatz, technisches Lesen und Rechtschreibung aus, als dies durch schulische Aufgabenstellungen in der Regel der Fall ist. Diese Tendenz bestätigt sich am deutlichsten bei schwachen Lesern. Das Credo der Wissenschaftler lautet deshalb auch: Motiviert schwache Leser, in ihrer Freizeit ein Buch zu lesen! Und unterstützt sie dabei, Bücher zu finden, die sie neugierig machen und ansprechen. 

Die wisschenschaftlicher Studie von Mol und Bus sollte in allen Ländern, die aktiv gegen funktionalen Analphabetismus vorgehen, zum Standardwerk ausgerufen werden. Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit, das Angebot an fiktionaler Literatur in Einfacher Sprache stetig auszubauen. Hierbei spielen auch die Bibliotheken eine wichtige Rolle.

Wir nehmen diese Herausforderung an. In den vergangenen fünf Jahren haben wir ein breites Angebot an Literatur in Einfacher Sprache für den deutschen Buchmarkt geschaffen. Jetzt geht es darum, diesen Ansatz weiter zu vertiefen und auszubauen. Das kostet übrigens nur einen Bruchteil im Vergleich zu den üblichen edukativen Mittelns zur Bekämpfung des funktionalen Analphabetismus. Leider schweigen die Alphabetisierungspläne aller Länder bislang in diesem Punkt. 

 

 

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